>10. Oktober 2011

Knoten (Teil 3)

von Clemens Böge

Wie klug muss man sein, um dumm zu sein?
Die anderen sagten ihr, sie sei dumm. Also machte sie
sich selbst dumm, um nicht sehen zu müssen, wie dumm
die anderen waren zu glauben, sie sei dumm,
weil es schlecht wäre zu glauben, die anderen seien dumm.
Sie zog es vor dumm und gut
anstatt schlecht und klug zu sein.

Es ist schlecht dumm zu sein: sie muß klug sein
um so gut und dumm zu sein.
Es ist schlecht klug zu sein, weil es zeigt,
wie dumm die anderen waren
ihr zu sagen, wie dumm sie sei.

 

Aus „Knoten“ von R.D. Laing (1972)
Der englische Psychiater und Psychoanalytiker zeichnet in diesem Buch die lautlosen Dialoge auf, die nahezu unbemerkt unsere Beziehungen zum anderen zugrunde richten. Die schönsten/schlimmsten Knoten sind in unregelmäßiger Folge im Blog der Beraterei zu lesen.

Artikelbild: www.hiller-art.de

 

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