>2. November 2011

Effectuation & Pastinaken

von Clemens Böge

Merkwürdige Überschrift, mag man denken. Was haben denn bitte die Grundprinzipien unternehmerischen Handelns (siehe tag links) mit einer eher unansehnlichen Wurzel zu tun, mit der man in der Küche oft nicht so recht etwas anzufangen weiß?

Eine erste Annäherung dieser beiden Welten fand vor kurzem bei der TEDx Salzburg statt. Dort war zum einen der spannende Talk von Michael Faschingbauer zum Thema Effectuation zu hören, zum anderen sprach Gerhard Zoubek, der Gründer des Biohofs Adamah, über biologische Landwirtschaft. Pastinaken kamen in seinem Talk zwar nicht direkt vor, dafür landen sie aber regelmäßig im Adamah-Biokistl vor unserer Wohnungstür. Und in unserer Küche kommt dann wieder Effectuation ins Spiel.

Eines der grundlegenden Prinzipien von Effectuation ist das der Mittelorientierung. Man lässt sich nicht von irgendwelchen mythischen Zielen leiten, sondern beginnt mit dem, was zur Verfügung steht. Das lässt sich gut mit der Metapher des Kochens verdeutlichen: Nach kausaler Management-Logik beginnt Kochen mit der Auswahl eines Gerichts (= Ziel). Anschließend suche ich mir ein Rezept, schreibe eine Einkaufsliste, besorge die Zutaten und kann schließlich und endlich anfangen.
Nach Effectuation-Logik schaue ich als erstes mal in den Kühlschrank, was so da ist. Gemeinsam mit anderen vorhandenen Zutaten und Werkzeugen sowie meinen bisherigen Koch-Erfahrungen kann ich mir dann vorstellen, was man damit alles kochen kann, entscheide mich für eine Richtung und lege los. Das geht schneller und hat den Vorteil, dass ich nicht erst einkaufen gehen muss. Schließlich steckt in einem solchen Gericht auch viel mehr von mir selbst drin, als wenn ich erst bei Jamie Oliver nachschlage.

Unser Adamah-Kistl versorgt mich also wöchentlich mit (Nahrungs-)Mitteln, aus denen dann etwas Neues entsteht: Pastinaken-Suppe, Pastinaken-Curry, Pastinaken-Gnocchi… Das ist mein persönliches Übungsfeld für den Einsatz des Prinzips der Mittelorientierung. Ich bin nicht sicher, ob diese Form des Übens auch einen Einfluss auf mein Verhalten in geschäftlichen Situationen hat, ich kann es mir aber durchaus vorstellen. Zumindest kommt beim Effektuieren in der Küche (fast) immer etwas schmackhaftes heraus. Und es sind ja nicht jede Woche Pastinaken dabei.

 

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