>11. Juni 2013

Lesenswert: Parkinsons Gesetz

von Clemens Böge

Sie kennen die Gesetze des Marktes, das Gesetz der Schwerkraft und sehr wahrscheinlich auch Murphys Gesetz – aber kennen Sie Parkinsons Gesetz?

Es wurde bereits Ende der 1950er Jahre von C. Northcote Parkinson formuliert und beschreibt in seinem Kern, wie sich Arbeit (insbesondere Schreibtischarbeit) auf eine ganz bestimmte Art und Weise elastisch gegenüber der Zeit verhält. Dem Gesetz zufolge „(…) schwillt eine Arbeit an und gewinnt sowohl an Bedeutung als an Schwierigkeiten, je mehr Zeit man auf sie verwenden darf.“ Das wiederum bedeutet, dass die Anzahl der mit einer Aufgabe betrauten Personen nichts mit der Menge der vorhandenen Arbeit zu tun hat. Vielmehr steigt die Anzahl der Mitarbeiter permanent an, unabhängig davon, ob die Arbeit zunimmt, abnimmt oder ganz verschwindet.

Was sind die Ursachen dieser überall beobachtbaren Entwicklung? Dazu hat Parkinson zwei zentrale Lehrsätze verfasst, die wie folgt lauten:
1. „Jeder Beamte oder Angestellte wünscht die Zahl seiner Untergebenen, nicht aber die seiner Rivalen zu vergrößern“.
Wenn also ein Mitarbeiter eine leichte Überlastung spürt, wird er dafür sorgen, dass er zwei (!) Mitarbeiter bekommt. Auf diese beiden kann er die Arbeit nun verteilen und behält als einziger den Überblick. Merke: Untergebene müssen immer in der Mehrzahl auftreten.
2. „“Beamte oder Angestellte schaffen sich gegenseitig Arbeit.“
Mit der gemäß Lehrsatz 1 steigenden Anzahl der Mitarbeiter wird nun auch die Arbeit in immer kleinere Einheiten zerlegt und verteilt und der interne Abstimmungsbedarf steigt.

Neben diesem Kerngedanken hat Parkinson noch einige andere interessante Beobachtungen gemacht. Eine davon betrifft die Entscheidungsfindung bei Investitionen und wird das „Gesetz der Trivialität“ genannt:
„Die auf einen Punkt der Tagesordnung verwendete Zeit ist umgekehrt proportional der Größe der Summe, die auf der Tagesordnung steht.“
So werden komplexe Entscheidungen über Millionen-Beträge in kürzester Zeit getroffen, da niemand im Gremium die Hintergründe und Konsequenzen so richtig versteht. Kleinigkeiten, zu denen jeder etwas sagen kann und zu denen jeder eine Meinung hat, werden hingegen stundenlang diskutiert.

Eine weiteres spannendes Thema ist die Frage des „Pensions-Punktes“, d.h. des Zeitpunkts zu dem ein Mitarbeiter in den Ruhestand gehen sollte. Das Kernproblem hierbei ist, dass Mitarbeiter – insbesondere solche in höherer hierarchischer Position – eigentlich zu einem Zeitpunkt gehen sollten, wenn sie ihre Arbeit besser verstehen, als irgend jemand sonst. Gleichzeitig versperren sie sie jedoch den Weg für potentielle Nachfolger, die entsprechend frustriert reagieren. Was ist also zu tun? Parkinson schlägt hier eine interessante Strategie vor: „Das Verfahren stützt sich ausschließlich auf die Verwendung von Luftreisen und Fragebögen. Untersuchungen haben erwiesen, dass die totale Erschöpfung im modernen Leben durch eine Kombination beider Faktoren bewirkt wird.“ Wer von uns kennt das nicht.

 

„Parkinsons Gesetz und andere Untersuchungen über die Verwaltung“ von C. Northcote Parkinson (1957) ist eine pseudo-wissenschaftlich geschriebene, ironische Darstellung von Regeln und Verhaltensweisen, wie man sie im administrativen Bereich von Organisationen beobachten kann. In der Verlagsanstalt Handwerk ist 2005 eine sehr schöne Neuauflage des vergriffenen Originals erschienen (Link).

Im Regal direkt neben diesem Werk steht übrigens „Das Peter Prinzip“, über das ich in diesem Blog bereits berichtet habe (Link).

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