>16. Oktober 2013

Henry Miller über Selbstmanagement

von Clemens Böge

Gerade erst wurde ich von einem Workshopteilnehmer (danke, Alexander) auf ein interessantes und hilfreiches Regelwerk aufmerksam gemacht: Henry Miller’s Work Schedule. Der amerikanische Autor hat sich darin 11 Gebote auferlegt, um konzentriert und fokussiert an einem Buch zu arbeiten. Es geht also ursprünglich ums Schreiben und die tägliche kreative Arbeit. Die Regeln lassen sich aber auch wunderbar abstrahieren und werden so zu einem sehr pragmatischen und gut anwendbaren Instrument des Selbstmanagements.

COMMANDMENTS

1. Work on one thing at a time until finished.
2. Start no more new books, add no more new material to „Black Spring.“
3. Don’t be nervous. Work calmly, joyously, recklessly on whatever is in hand.
4. Work according to Program and not according to mood. Stop at the appointed time!
5. When you can’t create you can work.
6. Cement a little every day, rather than add new fertilizer.
7. Keep human! See people, go places, drink if you feel like it.
8. Don’t be a draught-horse! Work with pleasure only.
9. Discard the Program when you feel like it—but go back to it next day. Concentrate. Narrow down. Exclude.
10. Forget the books you want to write. Think only of the book you are writing.
11. Write first and always. Painting, music, friends, cinema, all these come afterwards.

Neben den ebenso hilfreichen wie erwartbaren Aufforderung zur Fokussierung finde ich es spannend, dass auch Platz ist für Ambivalenz und Ausnahmen. Manchmal widersprechen die Regeln einander sogar. „Arbeite nach Plan, nicht nach Stimmung“ steht da ebenso wie „Vergiss den Plan, wenn Dir danach ist“. „Erst kommt die Arbeit“ ist genauso eine Regel wie „Geh einen trinken“. Konzentration ist wichtig, aber man kann nicht immer nur arbeiten. Das macht diese Regeln gleichzeitig realitätsnah und anspruchsvoll in der Umsetzung.

Was mir an Millers Regeln allerdings besonders gut gefällt ist, dass es 11 sind. Wohin man auch immer schaut, überall gibt es den guten alten Zehner-Block: „Die 10 besten Tricks für…“, „Die 10 einfachsten Wege, um…“ usw. usw. Als hätten Moses und der liebe Gott ein für alle Mal verbindlich festgelegt, dass genau diese Zahl von Vorgaben für alles und immer die richtige ist. Der Inhalt folgt dann oft der Form und wird entweder aufgebläht oder gekürzt. Hier sind es einfach 11. Weil es 11 sinnvolle Regeln gibt. Punkt.

Oder vielleicht doch einfach, damit es nicht 10 sind.

 

Ein Kommentar zu “Henry Miller über Selbstmanagement”

  1. Oktober 16, 2013 at 4:10 pm, Joachim said:

    „Don’t be a draught-horse“! Sehr gut! Muss ich mir merken.

    Antworten

Kommentieren