>3. Dezember 2013

Sit back, relax and … present!?

von Clemens Böge

Folgender Dialog findet recht regelmäßig in meinen Präsentationstrainings statt, wenn ich die TeilnehmerInnen auffordere, aufzustehen, vorzutreten und übungshalber etwas aus ihrer Praxis (meist via Powerpoint) vorzutragen:

TN: „Bei unserem Kunden präsentieren wir eigentlich immer im Sitzen.“
CB: „Und wie ist das für Dich als Presenter?“
TN: „Na ja, einerseits ist es irgendwie entspannter und man kann auch gut diskutieren. Andererseits ist die Aufmerksamkeit der Leute nicht immer so da und oft gerät alles etwas durcheinander.“
CB: „Was würde denn passieren, wenn Du zum Präsentieren einfach aufstehen würdest?“
TN: „Weiß nicht, wahrscheinlich nichts. Aber oft sind auch noch andere Dienstleister im selben Meeting und ich hätte dann das Gefühl, mich irgendwie zu wichtig zu machen.“

Gerade in Branchenkulturen, die von flachen Hierarchien, einem kollegialen „Du“ und einem Gefühl von Gleichheit geprägt ist, fällt es Menschen anscheinend schwer, sich selbst beim Präsentieren angemessen in Szene zu setzen. Sich (über die anderen) zu erheben, wird als unangenehm und unpassend empfunden, weil dadurch ein Unterschied hergestellt wird.
Der ist aber ohnehin da. Es gibt jemanden, der etwas Wichtiges zu sagen hat und andere, die das hören wollen. Wenn die Inhalte nicht wichtig genug sind, um dafür aufzustehen, sind sie möglicherweise auch nicht wichtig genug, um überhaupt präsentiert zu werden. Dann tut es eine andere Form von Meeting oder eine E-Mail vielleicht auch.

Stehend Präsentieren hat eindeutige Vorteile

Vor allem habe ich die maximal Aufmerksamkeit meines Publikums. Durch das Aufstehen an sich signalisiere ich schon: Hey, das ist wichtig, hört mir zu! Ich kann mich so im Raum positionieren, dass ich bestmöglich mit den Medien und den Menschen im Raum interagieren kann. Ich kann mit dem ganzen Körper sprechen (ja, auch Füße können reden), und so meine Inhalte wirkungsvoll transportieren. Schließlich ist die Atmung einfacher und tiefer und das unterstützt sowohl meine Stimme als auch meine gesamte Präsenz. Also: Wann immer es geht, im Stehen präsentieren.

Tipps für Sitz-Presenter

Wenn es aus irgendwelchen Gründen trotzdem angemessen erscheint, sitzend zu präsentieren, hier ein paar kleine Tipps. Im Grunde geht es um den paradoxen Versuch, im Sitzen zu stehen.

1. Der richtige Platz

Such Dir einen Platz am vorderen Tischende in Richtung Leinwand, Bildschirm etc., so kann das Publikum Dich und die Inhalte halbwegs gleichzeitig wahrzunehmen. Du hast mehr Aufmerksamkeit und kannst besser interagieren. Stell Dir das Gegenteil vor: Du am Fußende, alle schauen von Dir weg auf die Leinwand und Du siehst das Publikum nur von hinten.

2. Nicht so gemütlich

Ich persönlich finde es hilfreich, etwas weiter vorne auf der Stuhlkante zu sitzen. Ich komme dem Publikum also etwas entgegen und signalisiere Aufmerksamkeit und Interesse. Gleichzeitig sitze ich auf diese Weise aufrechter und kann besser atmen. Ich bin im Oberkörper beweglich, um mich verschiedenen Personen zuzuwenden. Die Füße sind schulterbreit auseinander – wie im Stehen. Lieber nicht gemütlich in den Sessel fläzen und die Beine übereinander schlagen.

3. Abstand, bitte

Den Stuhl ein wenig nach hinten zu rücken und so mehr Abstand zum Tisch zu bekommen, schafft mehr Raum für meine Präsentation. Ich kann zumindest meine Hände und den Oberkörper einsetzen und mitreden lassen. Der Vortrag wird lebendiger und wirkungsvoller. Mit dem Bauchnabel an der Tischkante wird das schwierig.

Und beim nächsten Mal dann vielleicht doch einfach aufstehen. Nicht kommentieren – einfach tun. Das Publikum kann ich einladen, es mir gleichzutun. Wenn das Meeting mal wieder ewig dauert und alle schon müde im Sessel hängen, bringt das neuen Schwung in die Sache. Und neue Aufmerksamkeit für die Präsentation.

 

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