>10. April 2011

Effectuation – Was man von erfolgreichen Gründern und Unternehmern lernen kann

von Clemens Böge

Wann immer wir etwas Neues beginnen, ein Projekt, ein Unternehmen, irgend ein Vorhaben gleich welcher Art, rät uns die klassische Management Logik, erst einmal ein Ziel zu definieren, dann einen möglichst exakten Plan zu machen und diesen schließlich in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig lassen sich aber in der Praxis ausreichend Fälle beobachten, in denen Leute ganz anders vorgehen und trotzdem (oder deswegen?) erfolgreich sind. Sie scheinen ohne fixe Ziele zu agieren und beginnen mit dem, was ihnen gerade zur Verfügung steht. Sie verzichten weitgehend auf Prognosen, nutzen Ereignisse, die sich unterwegs zufällig ergeben und gehen Kooperationen mit Leuten ein, die eine Idee gut finden und mitmachen wollen. Was die Anhänger einer klassischen, linear-kausalen Logik möglicherweise konzeptlos nennen würden, folgt einem ganz eigenen Konzept, das sich Effectuation nennt.

Mit diesem Kunstwort bezeichnet die Forscherin Saras D. Sarasvathy eine besondere Art des Denkens und Handelns, die sie in einer wissenschaftlichen Untersuchung bei erfolgreichen Gründern und Unternehmern festgestellt hat. Diese Logik von Effectuation lässt sich in vier handlungsleitenden Prinzipien formulieren:

  • Prinzip der Mittelorientierung: Beginne mit dem, was Dir zur Verfügung steht (wer Du bist, was Du weißt, wen Du kennst), anstatt fixen Zielen hinterher zu laufen.
  • Prinzip des leistbaren Verlusts: Orientiere Dich daran, was Dir der Versuch wert ist und nicht daran, wie groß der Ertrag sein könnte.
  • Prinzip der Umstände und Zufälle: Nutze ungeplante Ereignisse als Gelegenheit, anstatt sie als Planabweichung zu betrachten.
  • Prinzip der Vereinbarungen und Partnerschaften: Arbeite mit denen zusammen, die bereit sind mitzumachen, anstatt Dich von möglicher Konkurrenz abzugrenzen.

Eine solche Vorgehensweise bietet sich vor allem in Situationen an, in denen man wenig bis nichts über die zukünftige Entwicklung wissen kann. Anstatt ausgefeilte Prognosen und Forecasts zu erstellen, die ohnehin auf zig Annahmen beruhen, kann es gerade dann sinnvoll sein, einfach mal anzufangen und ein Vorhaben im Tun weiterzuentwickeln. Während eine kausale Logik also der Annahme folgt, dass erst eine genaue Vorhersage die Kontrolle der Zukunft ermöglicht, geht der Effectuator davon aus, dass er/sie durch das eigene Handeln die Zukunft beeinflussen und gestalten kann und Vorhersage daher gar nicht nötig ist.

Effectuation – ein interessanter Denk- und Handlungsrahmen für Gründer, Unternehmer, Manager und Berater, der hier im Blog der Beraterei sicher immer wieder auftauchen wird.

 

3 Kommentare zu “Effectuation – Was man von erfolgreichen Gründern und Unternehmern lernen kann”

  1. Februar 15, 2013 at 10:38 am, Effectuation – Was man von erfolgreichen Gründern und Unternehmern lernen kann | Beraterei Böge | human centered innovation | Scoop.it said:

    […] Neue Perspektiven für Menschen im Marketing. Beratung, Coaching und Training für Führungskräfte, Teams und Organisationen. (@Albert_Gerlach Ich glaube nicht ans Entrepreneur-Gen.  […]

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  2. Februar 07, 2014 at 2:11 pm, Äcker, Vorhersagen und schwarze Schwäne | Beraterei Böge said:

    […] ähneln diese Tipps sehr dem Vorgehen, wie es im Effectuation Konzept für unternehmerische Vorhaben unter Ungewissheit vorgeschlagen wird. Auch dort wird dem […]

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  3. März 17, 2014 at 1:55 pm, Unternehmerisch Kochen | Beraterei Böge said:

    […] das Thema Effectuation, die Methode für unternehmerisches Denken und Handeln, wurde an dieser Stelle ja bereits öfter […]

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